In seiner heutigen Ausgabe widmet der «Tages-Anzeiger» gleich zwei Seiten der «Zukunft der Zeitung» (online nicht frei zugänglich ‚Äì eine bedauerliche Fehlleistung). Der Blattkritiker hat für die geneigte Leserschaft zwei Rosinen herausgepickt. Zum ersten ein Auszug aus dem Interview mit Michael Grabner (Chef der Holtzbrinck-Gruppe, u. a. «ZEIT», «Handelsblatt», «Wirtschaftswoche»). Grabners Meinung zu spannendem Journalismus:
TA: Ist [die Unmenge an uninteressanter Information, die auf den Zeitungsleser einprasselt] ein Problem nur des Budgets oder auch ein Problem der Journalisten: Faulheit und Routine?
Grabner: Jetzt wirds heikel. Ich denke hier an den Piloten. Der nimmt vor dem Start die Checkliste und checkt immer wieder durch: Geht das Höhenruder? Und dann fliegt er. Ich glaube, es wird auf die Länge notwendig sein, dass ein Journalist sich fragt, bevor er schreibt: Welchen Nutzen stifte ich mit diesem Artikel? Ist es ein Informationsnutzen, ein Unterhaltungsnutzen, ist es ein Servicenutzen? Was liefere ich hier?
So weit, so gut.
Aber jetzt gehts leider weiter, da sind wir ja nur bei der Pflicht. Dann müssen Sie noch die Kür machen, kreativ werden, fliegen. Das ist ein völlig neues Anforderungsprofil ‚Äì nicht nur für Printjournalisten. Da wird es eine neue Generation geben. Wir müssen darum kämpfen, das Ding weiterzudrehen.
So neu sind diese Anforderungen gar nicht. Im Gegenteil: Sie galten einst als notwendige Qualifikation der rasenden Reporter. Und dass vor der Kür die Pflicht kommt, war früher auch etwas besser bekannt. Die neue Generation darf sich nach Meinung des Blattkritikers gerne wieder auf die alten Tugenden besinnen. Und uns dafür ein paar Dutzend Artikel zu Schuhgeschäften, künstlerischen Hausbesetzern und den eigenen Ferienerlebnissen ersparen.
And now for something completely different. Nämlich Claassens Schlusswort zur Schweizer Printlandschaft:
Seit die Tageszeitung als Mediendinosaurier quasi offiziell vom Aussterben bedroht ist, suchen noch mehr Verlage ihr Heil in stets neuen Kreuzungen der mutmasslich überlebensfähigeren Untergattungen. Gezüchtet werden solch zielgruppenoptimierte Marketingprodukte nach den drei Hauptfaktoren Themenbreite, Distributionsweg und Preisgestaltung. Alles «nur» eine Frage des richtigen Mix. Demnach scheint es nur eine Frage der Zeit, bis im Briefkasten auch eine Gratissonntagszeitung liegt und vor dem Stadion das Fussballblatt für 50 Rappen verteilt wird.
Dem Medienjournalismus geht so wenigstens die Arbeit nicht aus – auch wenn er dabei gelegentlich zur Kriegsberichterstattung mutiert.
Die «NZZ», bitte. Und eine kugelsichere Weste.
Aus Anlass der heute beginnenden Jahrestagung des Verbands Schweizer Presse beschäftigt sich der «Tages-Anzeiger» in mehreren Artikeln mit der «Zukunft...
Aufgenommen: Sep 14, 20:32